Tourbericht Japan

Menschen
Noch nie zuvor waren wir von einem Volk so angetan. Und noch nie zuvor hatten wir Gelegenheit, uns so tief in eine Kultur zu begeben und deren Alltag hautnah zu erleben. Direkt am ersten Tag nach unserer Ankunft wollten wir uns über die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel informieren. Mit Sack und Pack ging es also an die nächstgelegene Bahnhofsstation. Mit im Supermarkt eingekauftem Frühstück setzten wir uns auf eine Bank vorm Bahnhofsgebäude und beobachteten das Vorgehen. Während wir genüsslich unsere uns fremden Frühstücksration aufaßen, eilten aus allen Ecken gut gekleidete und mit Laptoptasche ausgestattete Japaner Richtung Gleis. Mucksmäuschenstill strömten rocktragende Frauen mit hohen Schuhen und gemachter Frisur im Eiltempo an uns vorbei. Die Business-Herde wirkte so unglaublich gekonnt – selbst das Schnellgehen schien hier eine Disziplin zu sein, auf die es zu achten gilt diese vorzüglich zu meistern. Wir waren komplett geflasht und das scheint auch verständlich zu sein, wenn man die unruhigen, pöbelnden und gestressten Bahnkunden in Deutschland gewöhnt ist.

Wir sind zuvor noch nie so einem hilfsbereitem und freundlichem Volk begegnet. Das Engagement der Japaner ist ein Segen. Trotzdem wir Touristen waren (und allen Anschein nach auch die einzigen), fühlten wir uns voll integriert. Ganz gleich welche Frage uns in den Kopf schoss, wir konnten jeden ansprechen und jeder versuchte uns mit Händen und Füßen zu helfen. Ja, das Klischee ist zwar wahr, dass in Japan nicht gern englisch gesprochen wird, doch selbst diese Hürde wird so gut es geht überwunden, nur um weiterzuhelfen.

Tatsächlich wird, wie wir aus diversen Reiseberichten im Voraus raushören konnten, in den Verkehrsmitteln kaum gesprochen – ausgenommen sind Langstrecken-Fahrten. Hier ist es Gang und Gebe, sich mit dem Smartphone zu beschäftigen oder ein kurzes Power-Napping einzulegen. Doch auch wenn im Zug mal gesprochen wird, akzeptiert es die schweigende Mehrheit. Besonders ist uns aufgefallen, dass junge Menschen sehr höflich und aufmerksam sind: betritt beispielsweise eine ältere Dame den Zug, so stehen mindestens fünf Junge Männer auf um ihr einen Platz freizumachen. Selbst wir saßen uns während einer Fahrt in der Metro gegenüber und kommunizierten still miteinander, als ein anderer Passagier dies bemerkte und seinen Platz gegen meinen zum Tausch anbot, sodass wir nebeneinander sitzen konnte.

Auch ist es fast verrückt, dass man am Equipment der japanischen Bevölkerung erkennen kann, wie das Wetter im Laufe des Tages wird. Regenschirme sind hier das A und O – jeder besitzt mindestens einen. Es schien, als sei dies ein unverzichtbares Must-Have. Ging man also morgens an einem bewölkten Tag an den Bahnhof, so konnte man ablesen ob die Wolken Regen bringen würden oder nicht. Fiel auch nur der kleinste Tropfen vom Himmel, spannte gefühlt die ganze Inselbevölkerung ihren Schirm auf. Wir, als unwissende Touristen, hatten natürlich anfangs keinen Schirm zur Hand und liefen ohne durch den Nieselregen. Als das ein japanischer Schaffner erblickte, sprang er kurzerhand aus dem parkenden Zug aus und bot uns seinen Schirm als Geschenk an – WOW! So viel Freundlichkeit sind wir nicht gewohnt.

Das Schema breitet sich von Westen nach Osten aus. Um die Hauptstadt herum wird es menschlich etwas gröber. Hier kann man auch ganz klar flippigeres Publikum erwarten und auch, dass man in der belebten Stadt mal angerempelt wird oder es in privaten Telefonaten in der Fußgängerzone mal lauter zugeht. Die Hilfsbereitschaft bleibt jedoch kontinuierlich bestehen und dieses Wissen ist für uns ein wunderbares Souvenir aus unseren Flitterwochen.

URBEX
Dieses Hobby macht außerhalb der Homezone einfach besonders Spaß. Einfach, weil es anders ist. Unsere Grundsätze bleiben natürlich überall gleich – wir nehmen nichts mit außer Fotos und hinterlassen nichts außer Fußspuren – das ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Auch in Japan gilt also: respektvoller Umgang mit verlassenen Orten. Die Japaner machen’s vor. Im Großteil der von uns besuchten Orte war keinerlei Graffiti zu finden und auch wurde nur wenig Gewalt am Inventar ausgeübt. Im Gegensatz zu westlichen Standards, wird hier auch nicht häufig geklaut! Kabel, Möbel und wertvolles Inventar stehen nach Jahren des Leerstands noch an Ort und Stelle – ein fast unglaubliches Bild war das unangetastete Inventar eines alten Krankenhauses, in welchem noch OP-Besteck und  Abformlöffel in Reih und Glied im offenen Schrank hangen. Das nennen wir respektvollen Umgang!

Neuland war für uns ebenso die komfortable Verpflegungs-Situation. Wir haben uns bei unserem 16-tägigen Aufenthalt an die Flut von Getränkeautomaten gewöhnt, welche im ganzen Land verteilt sind. Eine kalte Cola, JEDERZEIT! Ganz gleich ob auf fast unbewohnten Inseln oder mitten auf einem Berg, zwischen Reisfeldern oder am Bahnhof, diese Automaten sind weltklasse!

In anderen Ländern muss man sich im Voraus auch schon über gewisse Gefahren und deren Konsequenzen bewusst machen. So haben wir uns beispielsweise im Vorfeld darüber informiert, wie wir uns bei einem Urbex-Zwischenfall mit der japanischen Polizei am besten zu verhalten haben. Zu unserem Glück gab es keine Gelegenheit das Erlernte einzusetzen, jedoch ging man ruhiger an die Sache heran mit den Erfahrungsberichten anderer im Hinterkopf. Auch bergen sich in diesem tropischen Klima Gefahren, die wir aus bisherigen Ländern nicht kannten. Anderes Klima, andere Tierwelt. So musste man sich auch in diesem Bereich Wochen vor dem Abflug über mögliche giftige Tiere informieren und sich einen Plan zurechtlegen, den man im Notfall ausführt.

In Japan gibt es im Juni die berühmt-berüchtigte Regenzeit. Für unsere Reisezeit wurde in sämtlichen Berichten 16-Tage Dauerregen prognostiziert. Es regnete effektiv einen Tag. Entweder hatten wir wirklich nur Glück und sind von Westen nach Osten, der Regenzeit voraus geeilt, oder das Volk hat diesen Mythos erfunden um einen Monat im Jahr keine Touristen anzulocken (Spekulation). Aber nichts desto trotz hätte uns dieser eine Regentag das Genick gebrochen und uns 3 der schönsten Orte vermasselt, wenn wir keine Regenkleidung dabei gehabt hätten. Urbex in Japan bedeutet eben, durch tropisches Gebüsch zu laufen, und wenn dann von oben buchstäblich das Meer auf dich prasselt, möchtest du nicht in gewohnter Kleidung umher hüpfen.

Landschaft
Berge, Reisfelder und Meer. So lautet wohl die Short-Version von dem, was wir an Landschaft in Japan sehen durften. Unsere Route, welche vom westlichen Nagasaki bis zum nord-östlichen Hokkaido verlief, bot uns ein breites Spektrum an vielfältigen Landschaftseindrücken. Wir starteten am Meer und besuchten im Laufe unserer Reise drei größere Nebeninseln. Küstenregionen sind immer schön – Meer ist Meer und Meer ist schön. Das Wasser in ländlicheren Meerabschnitten ist natürlich um Welten blauer und klarer als die trüben Suppen rund um die Großstädte, das konnte man eindeutig sehen.

Nichts desto trotz hat Japan landschaftlich noch mehr zu bieten. So wie beispielsweise die Berge, die sich durch die ganze Insel schlängeln. Gefühlt fährt man immer auf einer ebenen Fläche und ist umgeben von Bergen. Es scheint wie eine optische Täuschung, immer Richtung Berge zu fahren und sie niemals zu erreichen. Erreicht man dann doch irgendwann einen Berg, bekommt man ein leichtes Schwarzwald-Feeling, welches sich aber auflöst sobald man den ersten Bambuswald entdeckt.

Zwischen dem berühmten dichtbesiedelten Städten, die mit Hochhäusern und moderner Architektur gepflastert sind, gibt es auch unzählige ländliche Passagen die mit traditioneller Baukunst und Reisfeldern geschmückt sind. Fast auf jedem Wohngrundstück steht ein kleines Gewächshaus, mal aus Plastik, mal aus Glas. Auch viele hübsch anzusehende Bonsai-Gärten sind hier zu finden. Egal in welche Region man reist, es ist abwechslungsreich und wird nicht langweilig.

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